Reisezeitraum: 14.05.2016 – 17.05.2016
Reiseveranstalter: –
Reiseart: PKW
Hotel: Pension Altstadt
Wir haben die freien Tage über Pfingsten genutzt um nach Weimar zu fahren. Der Fokus lag auf dem KZ Buchenwald, welches sich in unmittelbarer Nähe befindet. Primär ging es darum zu schauen ob sich dieses KZ als Alternatives Ziel für Klassenfahrten (Teilnahme freiwillig) vom entsprechenden Anti-Rassismus Projekt der Schule eignet – sprich, wie gut ist die Anlage erhalten, wie ausführlich sind die Ausstellungen, wie ist die JBS (Jugendbegegnungsstätte) ausgestattet, wie sieht es mit freien Terminen aus. Kann man auch alles telefonisch erfragen, aber der persönliche Eindruck ist wesentlich wertvoller.
Wir sind am Pfingstsamstag gegen 08:30 Uhr mit dem Auto Richtung Osten aufgebrochen und hatten wirklich Glück mit dem Verkehr. Weder Stau noch stockend, alles wunderbar frei. Wir waren auch entsprechend früh in Weimar, wo wir uns ein Doppelzimmer in einer Pension organisiert hatten.
In der Pension eingecheckt (Altstadt, wenige Gehminuten von allen Sehenswürdigkeiten entfernt) und dann mit dem privaten Stadtführer getroffen. Einen flotten Rundgang, der aber alles „wichtige“ beinhaltete, gemacht und so schon mal einen Eindruck bekommen was wo ist und wie man am besten hinkommt.
Hatte Privat noch den Tipp bekommen ich solle unseren Stadtführer doch mal nach „dem“ Krankenhaus fragen und die Goethe und Schiller Häuser ignorieren. War eine sehr gute Idee! Ab ins Auto und Richtung Bad Berka gefahren. Unterwegs noch an einem Gasthof mitten im Wald gehalten und was getrunken. Das fungierte zu DDR Zeiten als Kinderferienlager, später als Landschulheim. Ein paar Bungalows wurden errichtet. Mittlerweile ist es wieder ein normales Lokal, von den Bungalows stehen nicht mehr alle.
In Bad Berka dann Richtung Krankenhaus. Ein riesiger Komplex, sah aber von außen irgendwie unscheinbar aus. Also ins Gebäude rein und mit dem Aufzug nach oben und spätestens ab dann wusste ich warum man mir das empfohlen hatte. Das Gebäude wurde praktisch in den Berg reingebaut. Von oben hat man bei gutem Wetter eine phänomenale Sicht über die Landschaft.
Haben unseren Stadtführer dann in Weimar wieder rausgeworfen, sind selbst noch etwas rumgeschlendert, waren was Essen und haben uns dann noch in einer Bar wieder getroffen. Und später noch gemeinsam zu einem Konzert von Übelzt in der „Wunderbar“ gewesen. Also Bier brauen können sie ja in Weimar nicht so wirklich.
Am nächsten Morgen stand dann Buchenwald auf dem Plan. Wir sind frühzeitig los, Wetter war durchwachsen, also Regenjacken und Schirme eingepackt. Erst mal einen Stopp am Mahnmal gemacht und die Glockenschläge abgewartet. Leichte Gänsehaut. Die Sicht war okay, die dunklen Wolken, die Kälte, der Wind irgendwie passend zur Stimmung. Anonyme, unscheinbare Gräber.
Okay, weiter Richtung Gedenkstätte Buchenwald. Über die Blutstraße. Ein Teil davon ist noch ursprünglich. Geparkt wird an den alten SS Kasernen. Die Kasernen sind jetzt umgebaut, Wohnhäuser, Häuser für die JBS. Information und Cafeteria. Renoviert und restauriert erinnern sie eher an Mehrfamilienhäuser und nicht an SS Kasernen. Der Parkplatz war der ehemalige Exerzierplatz der SS, auch da erinnert nichts mehr außer einer kleinen Hinweistafel.
Infobroschüre mit Lageplan und Hinweisen für einen Euro in der Information abgeholt sowie weiteres Material und dann Richtung eigentlichem KZ. Über den Carachoweg. Links und rechts noch vereinzelt erhaltene Gebäude, keines davon zu besichtigen (ob das allgemein so ist, kann ich nicht sagen).
Der „Eingangsbereich“ des Lagers ist typisch für ein KZ. Das „Lagermotto“ Jedem das seine ist in der Tür angebracht. Nach Betreten des Geländes erblickt man nur sehr wenige Gebäude, der Großteil besteht aus Gedenksteinen, Fundamenten und sehr viel Schutt. Wir orientieren uns zuerst nach links und lassen das Krematorium hinter uns zurück. Die Pfosten, welche die innere Lagergrenze markierten, stehen zu sehr großen Teilen noch. Von den 23 Wachtürmen ist nicht mehr viel übrig, zwei stehen noch, ob Neuaufbau oder restauriert lässt sich von meiner Seite aus aber nicht sagen. Wir kommen am warmen Mahnmal vorbei, einer Metallplatte, welche immer auf 37° aufgeheizt ist und Wärme an diesen Ort bringen soll. Berühren tun wir sie nicht.
Wir schauen uns die massiven Gedenktafeln an und lesen die Infotafeln. Es ist nur schwer sich ein Bild zu machen, eben, weil nichts mehr steht. Lediglich äußere Umrandungen, das innere gefüllt mit meist schwarzen Steinen. Man bekommt die Dimensionen des ganzen nicht wirklich zu greifen. Das fällt auf unserem weiteren Rundgang immer weiter auf. Richtung Häftlingskrankenbau merkt man es besonders stark – ein Komplex, der über mehrere Gebäude verfügte, von denen nur noch Fundamentbruchstücke vorhanden sind. Den großen Teil hat sich die Natur vor langer Zeit zurückgeholt, es stehen dort hochgewachsene Bäume. Wir orientieren uns zum kleinen Lager.
Im kleinen Lager herrschte am Ende die höchste Sterblichkeitsrate, 1945 waren ca. 20.000 Menschen in dem Areal untergebracht. Beim Lesen der Gedenktafeln kommt erneut eine Gänsehaut auf. Weiter geht es zu den Latrinen für das kleine Lager. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit sich vorzustellen wie für so viele Inhaftierte so eine kleine Latrine reichen sollte. Was ja auch nicht der Fall war.
Wir kommen an den Fundamenten des Hygenie Institutes der SS vorbei, an weiteren Gedenksteinen und dann zum Kammergebäude. Ein Gebäude, welches noch steht (Massivbauweise) und für Ausstellungen genutzt wird. 2000m² mit Exponaten, Fotos, Interviews, Dokumenten, mit der Möglichkeit über Audio sich Lebens- und Verfolgungsgeschichten anzuhören.
Weiter ging es Richtung Kunstausstellung. Beklemmende Kunst von Inhaftierten (toten sowie Überlebenden) ausgestellt in der Desinfektion. Ebenso gibt es Werke aus der Gegenwart zu sehen. Wenn man diese Ansammlung an Schuhen sieht, welche den Inhaftierten genommen worden sind, Damenschuhe und Herrenschuhe und dazwischen die von kleinen Kindern, dann wird einem ganz anders.
Nach der Kunstaustellung geht es hinter das Gebäude zu den Ruinen der SS-Gärtnerei. Hier ist ein ganz klein wenig mehr vorhanden. Ein Foto von 1943 auf der Infotafel verdeutlicht etwa die Dimensionen. Wir kommen, auf dem Weg Richtung Krematorium, noch an den Vorratskellern der Häftlingsküche vorbei. Vor dem Krematorium befindet sich noch eine Latrine. Daraus wurde allerdings ein Nachbau der Erschießungsanlage gemacht, welche sich früher an den Ställen befand.
Das Krematorium war mit Abstand das beeindruckteste Gebäude. Es hat, da vollständig erhalten, eine ganz andere Wirkung auf einen, welche Fundamente und Steine nun mal nicht haben können, auch wenn Fotos den damaligen Zustand dokumentieren. Es war gut das wir die Runde umgekehrt gemacht haben – viele Gruppen sind erst zum Krematorium. Da verliert man dann aber irgendwie den Blick für den Rest. Die Öfen sind noch vorhanden und du kannst den Ruß der verbrannten Leichen nicht nur erahnen, du siehst ihn auch noch stellenweise. Du hast das wirklich vor Augen das in diesen Öfen tausende von vorher barbarisch getöteten Menschen verbrannt wurden. Richtig beklemmend war für mich der Leichenkeller unter dem Krematorium. Haken an der Decke, an welchen rund 1.000 Häftlinge erdrosselt wurden. Die Holzrampe, womit die toten den Keller heruntergeworfen worden sind um dann mittels Fahrstuhl zu den Öfen gefahren zu werden. Man steht da auf einem Boden, auf welchem vor einigen Jahrzehnten sehr, sehr viele tote Menschen lagen.
Nach dem Buchenwald Besuch ging es dann auch wieder in die Pension. Kein feiern gehen an dem Abend, sondern die Gedanken sortieren und reflektieren.
Am nächsten Morgen ging es dann allerdings wieder rauf Richtung Buchenwald, immerhin hatten wir die Außenanlagen noch nie gesehen, sondern nur das Lagerinnere und eben die SS-Kasernen. Angefangen am Bahnhof, der leider auch kaum noch vorhanden ist bis hin zum Falkenhof, dem Aschegrab mit seinem Denkmal, der Steinbruch, weitere SS-Kasernen mit einem Kellerarrest wo u.A. Dietrich Bonhoeffer und Friedrich von Rabenau sowie Ludwig Gehre einsaß bevor sie nach Flossenbürg deportiert wurden um dort ermordet zu werden.
Nach Erkundung der weitläufigen Außenanlagen ging es dann zurück Richtung Weimar. Dort haben wir die Stadt noch mal erlaufen, noch ein paar Fotos gemacht. Eigentlich wollten wir das ausführlicher machen, aber das Wetter war noch immer so ungemütlich das man eher wenig Lust hatte sich längere Zeit an einem Ort im freien aufzuhalten. Ein Museumsbesuch stand jetzt nicht unbedingt ganz oben auf der Liste der Tätigkeiten für die restliche Zeit bis zum Abend, daher sind wir spontan nach Jena gefahren um dort mal vom Jen-Tower einen grandiosen Ausblick zu genießen.
Abends ging es dann noch mal mit unserem Stadtführer vom ersten Tag in eine Bar und man ließ den Tag bei netten Gesprächen ausklingen.
Am nächsten Morgen dann die Abreise (nach dem Frühstück). Unterwegs nach Eisennach reingefahren, eigentlich wollten wir noch zur Wartburg. Da dort aber anscheinend ein Oldtimertreffen war haben wir da wieder fix umgedreht und sind stattdessen eben bei Paderborn abgefahren und zur Wewelsburg. Eine absolut richtige Entscheidung!
Himmlers kleines „Projekt“ ist sehr gut erhalten bzw. restauriert worden und es befindet sich eine sehr interessante, informative und gute Ausstellung in Teilen des Gebäudes. Bzw. es sind zwei Ausstellungen oder eher ein Museum (Historisches Museum des Hochstifts Paderborn) und eine Dauerausstellung („Ideologie und Terror der SS“) – in letzterer waren wir dann. Kein Eintritt – wäre allerdings auch kein Problem gewesen.
Die Ausstellung mit ihren Ausstellungsstücken und dem verknüpfen von geschichtlichen Ereignissen und Zeugenberichten ist sehr emotional. Alte Filmaufnahmen von der Befreiung des zur Burg gehörenden KZs durch die US Soldaten sind sehr eindrucksvoll und bedrückend. Es werden einige Einzelschicksale dokumentiert, Inhaftierungsgründe werden dargestellt, Dokumente ausgestellt. Häftlingsuniformen. Lebensgeschichten. Briefe von Inhaftierten an ihre Familien. Das ganze erreicht dadurch eine persönliche Ebene und es geht einem nah.